Über mich

u0a7333

© Marielle Aubé

Wie sieht meine Welt aus?

Die Welt, in der ich lebe, sieht jeden Tag ein bisschen anders aus, sodass ich sie hier nicht ganz festhalten kann – und eigentlich auch gar nicht möchte.

Ich denke, fühle und mache Musik in den Sprachen, die ich spreche. In jeder von ihnen bin ich eine etwas andere Version von mir. Sprache fasziniert mich schon lange. Sie ist für mich nicht nur Vokabular. Sie verändert Rhythmus, Bilder, Denken und Ausdruck.

Es gibt Phasen, in denen ich mehr tanze als musiziere, und andere, in denen ich täglich Yoga praktiziere. Beides ist für mich kein Hobby und kein Ausgleich, sondern das, was mir einen Zugang zu mir selbst und zu meinem Ausdruck ermöglicht.

Mal lese ich viel, mal fast gar nicht. Manchmal mehrere Bücher gleichzeitig, manchmal ein einziges ganz langsam. Was mich daran immer wieder fasziniert, ist, dass sich manchmal etwas in mir verändert, ohne dass ich genau sagen könnte, wann oder wodurch. Nicht jeder Gedanke bleibt. Aber manchmal verändert sich die Art, wie ich die Welt wahrnehme.

Ich muss dabei oft an meinen Großvater Ahmad denken. Er war Arabischlehrer und schrieb manchmal aus dem Nichts ein Gedicht auf ein Taschentuch. Ob das Taschentuch später noch da war, schien ihn nie besonders zu interessieren. Er schrieb einfach.

Was (ver)lerne ich gerade?

Lange dachte ich, dass Lernen vor allem bedeutet, mehr zu machen. Mehr üben. Mehr wissen. Mehr verstehen.

Im Moment entdecke ich etwas anderes. Ich lerne, wie wichtig es sein kann, zu stoppen. Kurz innezuhalten. Zu warten. Einfach zuzuhören.

Je mehr Raum ich mir in meinem eigenen künstlerischen Prozess gebe, desto mehr verändert sich auch mein Verständnis vom Lernen.

Mich überrascht, wie oft etwas in Bewegung kommt, wenn ich aufhöre, sofort nach einer Lösung zu suchen.

Ich weiß noch nicht, wohin mich diese Erfahrung führt. Aber ich merke, dass ich immer häufiger neugierig werde und mehr beobachten kann, statt nach einer schnellen Antwort zu suchen.